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Almrosen – dauernde Zeugen uralter Zeit

"Wo sie aus dem Schatten des Alpenwaldes hervorleuchten, flammender Purpur ..., da bieten sie wohl das Schönste, was irgendeine Zone an Farbwirkung und Pracht des Kontrastes je hervorgebracht!" - schrieb einst H. Christ über unsere Alpenrosen. Es gibt Blumennamen, die auf unser Innerstes wie eine Symphonie wirken: "Almrosen - Alpenrosen - Rhododendron = das blühende, rosenrote Holz - Rosenbaum".

Ein Pflanzenporträt von Eitel-Friedrich Scholz

Dabei ist die Alpenrose im botanischen System von den Rosen weit entfernt, sie gehört zu den Heidekrautgewächsen. Dennoch hat sich unsere Pflanze unter dem Namen Alpenrose im gesamten Alpenraum akkreditiert.
Viele Dichter haben an der Verbreitung dieses Pflanzennamens, der bereits 1555 vom Botaniker Conrad Gesner in seinen Werken gebraucht wird, mitgeholfen:
Alpenrose, dornenlose!
Wie Musik aus Himmelssphären
Tönt dein Name, Alpenrose!"
(Ludwig Ißleib)
Alpenmohn und Alpenrosen,
Bunte Orchideen,
Welch ein reiches Blumenleben,
Welch ein farbig Wehen!"
(Heimatdichter Zingerle)

Und der Romantiker Novalis, der ein Leben lang "die blaue Blume der Romantik" suchte, schrieb: "Selten haftet auf Höhen ein Funke himmlischen Lebens, aber als Königin blüht dann auch die Rose des Berges", - die Alpenrose.

Die einen verherrlichen diese schöne Pflanze der Bergwelt in der Dichtung, die anderen sehen in ihrem wirren, zähen, nicht ausrottbaren Gezweig ein "Unkraut", ein lästiges Hindernis für eine "ordentliche" Weidewirtschaft. So trägt die Alpenrose im Salzburgischen auch die schimpfierende Bezeichnung "Schinderblüh, Schinderblätter". In anderen Gebirgsgegenden ist man der Meinung, dass das "lästige Almunkraut" doch noch zu etwas nützlich sei: den Rindern den "Rausch", eine Rinderkrankheit, auszutreiben. Daher stammt dann auch der Name Rauschkraut und die sich förmlich als Modewort weit verbreitete Bezeichnung "Almrausch".

Bei Hafling in Tirol ist die Alpenrose die "Oswaldstaude", denn dort wo einst unzählige Alpenrosen blühten, fanden Hirten einst vor langer Zeit ein Bild des Heiligen Oswald, dem man nachsagte, dass er ein Verehrer der Almrosen gewesen sei. Fromme Menschen bauten an dieser Stelle eine Oswaldkapelle. Im Karton Aargau in der Schweiz wird die Almrose auch "Rafausle" genannt. Die Kinder singen dort:

"D' Rafausle, d' Rafausle wachset uf der Alp, und wenn der Schnee zergangen ist, so fahre d' Bura z' Alp".

Für viele Hochgebirgler ist die Almrose auch die "Donnerrose oder Dunderrose", die den Blitz anzieht. In vielen alpenländischen Sagen und Legenden wird davon erzählt, dass derjenige, der eine Donnerrose bei sich trüge, um sie dem geliebten Mädchen zu schenken, vom Blitz erschlagen würde. Entgegen dieser Meinung gilt in anderen Gegenden das Überreichen einer Alpenrosenblüte als Zeichen der Liebeswerbung. In alter Zeit nagelten Bauern einen Almrosenstrauß an den Firstbalken ihrer Häuser, um sie vor "Dunder und Blitz" zu schützen. Nach altem Volksglauben meint man auch, dass die Blütezeit der "Dunderrosen, Donderbluome, Donderblüeh" mit dem ersten Donnerwetter im Brachmonat beginne. Abergläubische Bergwanderer wiederum warfen ihre gepflückten "Almbalsamzweig'ln" fort, sobald in den Bergen ein Gewitter aufzog, und baten im Gebet um Verschonung vor dem Blitzschlag.

In vielen Sagen wird auch von weiß blühenden Alpenrosen, den "Schneerosen", berichtet. Gar schaurig klingt eine Mär, nach welcher der Tod und seine Frau, die Tödin, Schneerosenzweig'ln anstecken, ehe sie mit Sense und Rechen an ihr grausiges Tagwerk schreiten, Menschen zu mähen. Einer anderen Sage nach umzieht eine dicke Hecke weißer Alpenrosen König Laurins Rosengarten alljährlich in der Christnacht zwischen 12 und 1 Uhr.

In der Botanik kennt man eine weiß blühend auftretende Abart von beiden Alpenrosenarten, die Variation albiflorum. Der deutsche Namen Alpenrose ist für beide Arten gleich. Dem Vergleich mit der Rose liegt wohl die rote Blütenfarbe, aber auch die alte griechische Bezeichnung rhodon = Rose, dendron = baum zugrunde.

Über die Herkunft der Alpenrosen
Die Pflanzengeographen haben festgestellt, dass die in unserem Alpenraum heute mit drei Arten vertretene Gattung Rhododendron in weitaus größerer Mannigfaltigkeit in den Gebirgen Kleinasiens, Zentralasiens (Hinterindien, Himalaya), Japans aber auch im Inneren des Malayischen Archpels und in Nordamerika vorkommt. Zur Zeit sind weltweit fast 500 Arten beschrieben. Einzelne "Grenzformen" sind vermutlich von Kleinasien bis in unseren Alpenraum vorgedrungen. Es sei aber auch darauf hingewiesen, dass in der Pflanzengeographie die Meinung vertreten wird, (u.a. Hegi) dass die drei bei uns vorkommenden Alpenformen auch hier entstanden seien.
Während der Tertiärzeit ist die Hauptmasse der alpinen Flora vermutlich durch die lange Periode der Eiszeiten und der Vergletscherung vernichtet worden. Einzelne, äußerst robuste Arten überdauerten jedoch am Rande der Alpen die Gletscherzeit und wanderten zu Zeiten eines wieder milderen Klimas auf die Berge zurück.

Drei Alpenrosenarten wachsen heute in unseren Alpen:
Die Rostblättrige Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsuta) und die überaus seltene Gelbe Alpenrose (Rhododendron luteum).


Die Rostblättrige Alpenrose (lat. ferrugo = Rost) ist ein bis über 1 m hoch werdender buschiger Strauch mit kräftig graubraun berindeten Zweigen. Die vor allem an den Zweigenden gehäuft wachsenden Laubblätter sind wintergrün und ledrig. Während ihre Oberseite glänzend dunkelgrün und kahl ist, bedeckt die rostbraune, mit einem dicken gelblichen Mittelnerv versehene Unterseite der Blätter eine Vielzahl von Drüsenschuppen. Diese sondern ein Sekret ab, das ätherische Öle enthält. Daher der eigenartige Harzduft der Pflanzen. Das Austreten des "Harzes" ist an den Blattunterseiten häufig in Form kleiner, lichtgelber Pünktchen wahrzunehmen. Kratzmann sieht in diesem Sekret einen Transpirationsschutz. Die drüsigen Schuppenhaare haben eine bräunliche, rostartige Farbe. Darauf bezieht sich auch der Pflanzenname Rostblättrige Alpenrose.

Der doldentraubige Blütenstand der Pflanze ist meist 6-10blütig, endständig. Die trichterförmig-glockige Blütenkrone leuchtet in wunderbaren dunkelroten Farben. Auf der Mauthner Alm (Oberhalb von Kötschach-Mauthen) wurden um 1900 sogar gefüllt blühende Alpenrosen gefunden.

Die Rostblättrige Alpenrose ist über die gesamte Alpenkette zwischen 1.500 und 2.300, selten bis 2.840 m verbreitet. Über der Waldgrenze bildet die Pflanze auf humosem Boden dichte Bestände. Sie ist auch weniger empfindlich als ihre Schwester, die Bewimperte Alpenrose. Während die letztere in den südlichen Kalkalpen überwiegt, herrscht die Rostrote Alpenrose in den Zentralalpen bei weitem vor. Sie ist vergesellschaftet mit meist kalkfliehenden Arten, wie z.B. dem Breitblättrigen Enzian, der Bart-Glockenblume, dem Berg-Fingerkraut, der Rauschbeere, dem Wald-Storchschnabel, dem Punktierten Enzian u.s.w.. Einige kleine "Außenposten" dieser Alpenrose gibt es sogar bei Kempten und Wangen in Oberbayern. Man nimmt an, daß es sich hier um Arealrelikte aus der Eiszeit, um Zeugen einer damals am Rande der vergletscherten Alpen zusammenhängenden Verbreitung handelt.

Die Rostrote Alpenrose ist empfindlich gegen Kahlfröste. In schneearmen Wintern treten in den Beständen oft große Frostschäden auf. Zusätzlich geschädigt werden die Pflanzen auch durch Tiere. Der weiße Schneehase und das Schneehuhn benagen die schneefreien Zweige und fressen begierig die Winterknospen. Alpenrosen werden von vielen Schmarotzerpilzen (u.a. von Exobasidium rhododendii) heimgesucht. Die wohl auffallendsten Gebilde sind die "Saftäpfel", rundliche, bis 2,5 cm große, gelbliche, oft rot angelaufene Pilzgallen auf den Blättern. Gelegentlich findet man auch die durch Gallmilben gebildeten "Alpenrosenäpfelchen".

Die Bewimperte Alpenrose, auch Behaarte Alpenrose, Steinrose, Schneerösl, in Kärnten auch Almbux genannt, ist ein bis zu 1 m hoher, buschiger, vielästiger Strauch mit grauberindeten Zweigen. Der Blütenstand ist doldentraubig, endständig, 3-10blütig. Die Blütenkrone ist im Gegensatz zur Rostroten Alpenrose intensiv hellrosa gefärbt. Die wintergrünen, beiderseits hellgrünen Laubblätter, Blütenstiele und Kelch sind mit langen, weißlichen Borstenhaaren bewimpert - daher die Bezeichnung Bewimperte Alpenrose. Die Blattunterseite der Pflanze trägt nur wenige, zerstreute Drüsenschuppen.

Als kalkliebende Pflanze besiedelt sie lichte Knieholzreviere, Blockhalden, steinige, bodenwarme Hänge in höheren Lagen, meist auf geschützten Felsgesimsen. In den Kalkketten der Südalpen ist sie stärker verbreitet als in den zentralen Urgebirgsketten. Sie wächst im Verein mit Weidenarten und humusliebenden Pflanzen der Zwergstrauchheiden mit der Stachellosen Rose, dem Steinröschen, Bergbaldrian, Schneeheide, der Nacktstengeligen Kugelblume u.a..

Die Gelbe Alpenrose ist die seltenste Almrose unserer Flora. Ihr Verbreitungsgebiet reicht vom Schwarzen Meer bis in die südöstlichsten Alpen. In Kärnten kommt diese sommergrüne Pflanze nur noch an einem Standort vor. Sie ist auch dort stark gefährdet und deshalb vollkommen geschützt!

Die Pontische Alpenrose

(Rhododendron ponticum), eine vierte Alpenrosenart ist in Mitteleuropa während der letzten Eiszeit ausgestorben. Nachgewiesen wurde diese Alpenrose in den Funden fossiler Flora der "Höttinger Breccie" bei Innsbruck. Nachfahren dieser Pflanze wachsen jedoch noch in Südspanien, nahe Gibraltar, und dann erst wieder in den Pontischen Gebirgen und im Kaukasus. Fossile Funde der Rostblättrigen Alpenrose wurden in den Diluvialablagerungen der Dauphine (Frankreich) gemacht.

Alpenrosen - alte Heilpflanzen
Alpenrosen, vor allem die Rostblättrige, waren früher offizinelle Apothekerpflanzen: "Folia et stipites Rhododendriferruginei". Ein Teeaufguß aus Alpenrosenblättern wurde früher bei gicht-rheumatischen Leiden und bei Nieren- und Gallensteinbeschwerden angewendet. Die getrockneten Blätter riechen gerieben schwach kampferartig und wirken schweiß- und harntreibend. Im Berner Oberland wurde aus jungen, getrockneten und pulverisierten Zweigspitzen zusammen mit Salz und zerkleinerten Wacholderzweigen ein Gewürz, auch eine Arznei bereitet. Inhaltsstoffe der Alpenrose sind das giftige Andromedotoxin, Ericolin, Rhododendrin, Zitronensäure, Rhodotannsäure (Gerbsäure) und Wachs. Schöpfer berichtet, daß Lasttiere, aber auch Ziegen und Schafe nach dem Genuß des Krautes starben. Die bitter schmeckenden Blätter werden vom Weidevieh (Großvieh) jedoch verschmäht.

Zur Ökologie der Alpenrosen
Immer wieder wird in Diskussionen und Pressemitteilungen über Schaden und Nutzen der Almrosenbestände gestritten. Man stellte Überlegungen an, wie das hier und dort lästige "Almunkraut" mechanisch durch das Schwenden oder gar durch den Einsatz von Chemikalien in Schranken gewiesen werden kann. Leider werden bei solchen Überlegungen die vom ökologischen Standpunkt sehr unterschiedlich zu bewertenden Alpenrosenarten "in einen Topf geworfen".

Inhaltsstoffe der Alpenrose sind das giftige Andromedotoxin, Ericolin, Rhododendrin, Zitronensäure, Rhodotannsäure (Gerbsäure) und Wachs. Schöpfer berichtet, daß Lasttiere, aber auch Ziegen und Schafe nach dem Genuß des Krautes starben. Die bitter schmeckenden Blätter werden vom Weidevieh (Großvieh) jedoch verschmäht.

 

In der Tat bedingt die Ausbreitung der einen sauer reagierenden Rohhumus und damit nährstoffarme, trockentorfartige Böden schaffende Rostblättrige Alpenrose eine ausdauernde Verunkrautung und Verschlechterung der Weiden. In ihrem Gefolge breiten sich auch andere rohhumusliebende Pflanzen wie die Krähenbeere, die Rauschbeere u.a. stark aus. Ihrer Konkurrenz sind nur wenige Weidepflanzen gewachsen. Somit werden große Weideflächen fast ertraglos. Aus diesem Grunde sind die Rhododendron ferrugineum - Vaccinium - Distrikte den Almbauern verhaßt. Sie wurden und werden bekämpft, mechanisch durch das Schwenden (Ausreuten), durch Abbrennen und zeitweilig sogar mit chemischen Mitteln.

Es sei darauf hingewiesen, daß die Rostblättrige Alpenrose viel Nutzen, viele Vorteile mit sich bringt: Die Pflanze überwuchert wirtschaftlich nutzlose Schutthalden und Trümmerfelder. Sie trägt in erheblichem Maße zur Befestigung steiler, rutschiger Hänge bei, sie bereitet als Pionierpflanze die Schaffung einer geschlossenen Vegetationsdecke vor. Das Schwenden - besonders an solchen Standorten - ist in keiner Weise vertretbar. Auch für die Tierwelt bringen die Almrosenbestände großen Nutzen: Das dichte Gestrüpp gewährt Tieren Unterschlupf und Schutz, die dicht angeschwollenen Alpenrosenknospen sind Hauptanteil der Winternahrung des Schneehuhnes.

Noch größer ist der ökologische Wert und Nutzen der Bewimperten Alpenrose. Sie ist in der Lage, den ursprünglich kalkreichen, basischen Boden durch Humusanreicherung in einen neutralen bis schwach sauren Boden zu überführen. Sie ist somit auf keinen Fall ein "Almunkraut" sondern eine bodenverbessernde Pionierpflanze, die zudem ebenfalls einen Bodenschutz gegen Abschwemmung bildet. Diese so wertvolle Alpenrose darf auf keinen Fall geschwendet werden.

Darüber hinaus sei darauf hingewiesen, daß beide Almrosenarten nach den geltenden Naturschutzgesetzen teilweise geschützt sind.

Tragen wir alle also zum Schutz unserer Alpenrose bei, horchen wir auch der Dichterstimmen:

"Ist's nicht für euch, daß sich des Gletschers Grau heut schmückt mit Rosen?"

 

Fr. Nietzsche, "Aus hohen Bergen"

Literatur:
Hegi, Flora Mitteleuropas, 1927
Kornfeld, Das Edelweiß, 1910
Pieper, Volksbotanik, 1897
Kohlhaupt, Alpenblumen, 1967

Verfasser:
Eitel-Friedrich SCHOLZ
St. Daniel 18
9635 Dellach/Gail
Austria

 

Foto: Sepp Lederer