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Auwald - "Paternislan" und "Leberkraut"

Frühlingszauber im blühenden Auwald

Auf den Talböden aller Flüsse Kärntens breiteten sich einst weite Bestände einer Grauerlen-Aue (Alnetum incanae) aus. Besonders in unserem Jahrhundert fielen diese großräumigen Auwälder, wie in so vielen Bereichen Mitteleuropas, anthropogenen Einwirkungen zum Opfer - sie wurden entwässert, trockengelegt, geschlägert, mussten der land- und forstwirtschaftlichen Kultur weichen.
Noch in den letzten Jahrzehnten mussten größere Grauerlenbestände und Auwälder dem Kraftwerksbau und groß angelegten Stauseen Platz machen. Die einst so weite Ausdehnung der Auwälder mit ihrer artenreichen Flora und einem unwiederbringbaren Tierbestand ist heute nur noch an Hand kleiner Reste, an Fragmenten zu erahnen. Winzige Reste sind auch die noch vorhandenen, jedoch schon stark vom Menschen beeinflussten Auwälder im Gailtal, so auch die Nölblinger Aue, zur Gemeinde Dellach im oberen Gailtal gehörend.

Ein Pflanzenporträt von Eitel-Friedrich Scholz

Alle Auwälder haben ein gemeinsames Merkmal: sie hängen stark von der Wasserführung eines Flusses (bei uns von der Gail), der Bäche (hier vom Nölblinger Bach und der Nölblinger Brune) und von wasserführenden Gräben ab.
An solchen Standorten konnten und können sich nur Pflanzen behaupten, die einerseits immer wieder "einen nassen Fuß", d.h. Überflutungen, vertragen können, die andererseits in Anbetracht der großen Schwankungen des Wasserspiegels auch längere Trockenzeiten aushalten. Die Auwaldbewohner müssen demzufolge ein entsprechendes Wurzelsystem ausgebildet haben oder ihren Wasserhaushalt besonders gut regulieren können.

Ein Auwald ist in der Regel nicht einheitlich, sondern je nach Lage zum Gewässer aus unterschiedlichen Lebensbereichen aufgebaut.

Auf den vom Hochwasser der Flüsse und Bäche sporadisch überschwemmten und von Schmelzwässern regelmäßig überfluteten Auböden, wie auch auf den durch oszillierendes Grundwasser geprägten oder auf den angrenzenden, durch Quellwässer durchnässten Standorten, siedelte sich meist eine lockere Strauchschicht an.

Sie setzt sich in der Regel aus Weidenarten, die hier dominieren, zusammen. u.a. Uferweide (Salix elaegnaos), Purpurweide (Salix purpurea), Silberweide (Salix alba), Reif-Weide (Salix daphnoides), Salweide (Salix caprea).
Hinzu kommen Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Traubenkirsche (Prunus padus), Pfaffenhütchen (Euonymus europaea) und die Auen-Brombeere, Kratzbeere (Rubus caesius).

Die geschützten Weidenarten bilden auf grundwassernahen Standorten Pioniergehölz-Gesellschaften für eine weitergehende Auwald-Entwicklung. Weiden haben die ausgeprägte Fähigkeit, natürliche Beschädigungen durch Flussgeschiebe, Eisschollen und kleinere anthropogene Eingriffe relativ schnell zu regenerieren. Abgebrochene, verschwemmte Zweige bewurzeln rasch, die biegsamen, zur Erde gedrückten Ruten bilden vegetativ neue Pflanzen.

Vielfach fielen diese flussbegleitenden Gesellschaften, z. B. die Ufer-Weidengebüsch-Gesellschaft (Salicetea purpureae), bereits den Flußregulierungsarbeiten und einer harten Uferverbauung - so auch an der Gail - zum Opfer.

Die noch vorhandenen Reste solcher Gesellschaften werden immer mehr durch die Einschränkung ihres Lebensraumes, u.a. durch wasserbauliche Schutz- und Nutzbauten bedroht.
Im Baumbestand des Auwaldes dominieren Weiden und die Grauerle (Alnus incana), in Randgebieten, auf staunassen und stärker eutrophierten Böden wachsen auch die Schwarzerle (Alnus glutinosa), der Gewöhnliche Faulbaum (Frangula alnus) und an trockeneren Stellen vereinzelt die Fichte (Picea excelsa).

Je nach Menge, Textur, Höhe und Nährstoffgehalt der aufgeschwemmten und abgelagerten Sedimente fällt im Unterwuchs eine meist üppige, artenreiche Bodenflora auf:

Im Frühling erscheinen zahlreiche Frühjahrsephemeren (kurzlebige Pflanzen) wie u.a. die Frühlings-Knotenblume, auch Märzbecher genannt (Leucojum vernum), an offenen Standorten der Frühlings-Krokus (Crocus albiflorus), das Wechselblättrige Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium), das Leberblümchen (Hepatica nobilis), das Buschwindröschen (Anemone nemorosa).

Ende Mai ist von diesen Pflanzen kaum noch etwas zu sehen, obwohl sie ausdauernd sind. Sie blühen und grünen im zeitigen Frühjahr, kaum dass der Schnee getaut ist, und vergehen wieder, wenn sich das Blätterdach der höher werdenden Pflanzen über ihnen schließt.

Aber sie leben in Knollen, Zwiebeln, in Wurzelknollen (Rhizomen) und Wurzelausläufern weiter, um im nächsten Frühling wieder auszutreiben.
Es gibt aber auch Frühlingsblumen, die weit bis in den Sommer hinein blühen, denken wir z.B. an das bekannte Gänseblümchen, den Löwenzahn.

Später im Jahr blühen die Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum), das "Rühr-mich-nicht an" (Impatiens noli tangere und Impatiens parviflora), die Waldzwenke (Brachypodium sylvaticum), der stark verbreitete Giersch (Aegopodium Podagraria) und andere Pflanzen.
Besonders in den Auwaldresten von St. Daniel bis Dellach ist der naturgeschützte Straußfarn, Trichterfarn (Matteutia struthiopteris) noch in stattlicher Größe und lndividuenzahl zu bestaunen. An einem trockneten Auen-Standort bei St. Daniel wurde sogar der hier schon lange als verschollen betrachtete Rauten-Farn "Virginische Mondraute" (Botrychium virginianum) wiederentdeckt.
„Es war im März. Noch trieb der Winter Mummenschanz;
die Äste hingen, mit fantast’schen Eiskristallen
schwer geziert, zur Erde nieder.
Da und dort nur aus dem Grunde
hob das junge Köpflein schüchtern
Anemon und Schlüsselblume. …
Wie der alte Patriarch einst
in der Sündflut Wasser Nöten
ausgesandt die weiße Taube:
So von Winters Eis umlastet
schickt die Erde ungeduldig
fragend aus die ersten Blumen,
fragend ob nicht der Bedränger
in den letzten Zügen liege.“

Die hier in Pflanzenportraits vorgestellten Frühlingsblumen sind nur ein Ausschnitt aus der Artenvielfalt pflanzlichen Lebens in unseren Auwaldresten.

Link zu Frühlingskrokusse
Link zu
Leberblümchen
Link zu Frühlings-Knotenblume
Link zu Wechselblättriges Milzkraut
Link zu Huflattich
Link zu Hohler Lerchensporn
Link zu Geflecktes Lungenkraut
Link zu Scharbockskraut
Link zum Buschwindröschen
Link zu Sumpfdotterblume

Damit auch sie nicht verloren gehen und für unsere Kinder und Kindeskinder erhalten bleiben, wäre es eine lohnende, erstrebenswerte Aufgabe, alles daranzusetzen, unsere schöne Nölblinger Aue zu retten, zu bewahren.

Das kann jedoch nur gelingen, wenn alle Beteiligten darum ringen, dass der Nölblinger Auwald unter Natur- bzw. Landschaftsschutz gestellt wird.


Literatur:

Aichele, Schwegler, Blumen der Alpen, 1977; Bach, Kärntner Naturschutz-Handbuch, 1978; Beuchert, Symbolik- der Pflanzen, 1995; Engel, Die Giftküche der Natur, 1972; Fischer, Heilkräuter und Arzneipflanzen, 1947; Hartl, Turnowski, in: Die Natur Kärntens, 1976; Hartl et. al. Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens, 1992; Koch, Taschenbuch der heimischen Frühjahrsblumen, 1953; Mucina et al., Die Pflanzengesellschaften Österreichs, 1993; Köhlers Atlas der Medizinalpflanzen, 1887; Losch, Kräuterbuch, 1903; Pahlow, Das große Buch der Heilpflanzen, 1993; Passarge, Scholz, Pflanzensoziologische Untersuchungen und Bestandsaufnahmen der Vegetation in den Weichholz-Auen von St. Daniel bis Kirchbach, 1996, unveröff.; Pieper, Volksbotanik, 1897; Pritzel, Jessen, Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, 1882; Roth, Daunderer, Kormann, Pflanzengifte - Giftpflanzen, 1994 

Verfasser:
Eitel-Friedrich Scholz,
St. Daniel 18
9635 Dellach