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Huflattich

Frühlingszauber im blühenden Auwald

Ein Pflanzenporträt von Eitel-Friedrich Scholz

ist eine in ganz Europa weit verbreitete Frühjahrspflanze, die oft in großen Beständen auf feuchten ton-, lehm- und kalkhaltigen Böden an Gräben und Wegrainen, auf feuchten Wiesen und Äckern in lichten Auwäldern wächst. Der deutsche Pflanzenname Huflattich , ahd. hufletticha, ist wegen der hufartigen Form der Blätter vom Pferdehuf abgeleitet, das Wort leticha (bleticha, pleticha) bedeutet im Althochdeutschen so viel wie "großblättrige Pflanze". Im kärntner Dialekt wurden aus "pleticha" die "Pietschen" oder "Plotschen". Der botanische Name Tussilago ist entstanden aus dem lateinischen Wort "tussis" = Husten und "agere"= führen, wegführen = den Husten verteiben. "Farfara" ist vermutlich abgeleitet von lat. "far" = Getreide, Mehl und "ferere" = tragen. Damit soll wohl ausgedrückt werden, dass die unterseits weißfilzigen Blätter "mehltragend" sind.

 

Der Huflattich, das Sonnentürchen (Tussilago farfara)

Mancherorts wird diese ausdauernde Pflanze als lästiges, schwer zu vertreibendes "Unkraut" angesehen, und doch ist diese Pflanze eine außerordentlich wichtige Droge, die seit ältesten Zeiten als beruhigendes und schleimlösendes Hustenmittel verwendet wurde. Auch heute noch ist Huflattich eine unverzichtbare Droge gegen Husten, Verschleimung, bei Asthma, Kehlkopf- und Rachenkatarrh, die auch als Brusttee getrunken wird. Der botanische Name der Pflanze Tussilago farfara = "Hustenvertreiber" und alte Volksnamen "Brustlattich", "Hustenbraut", "Theeblüamli", "Hustenblätter", "Hitzblätter", weisen darauf hin. In einem alten Kräuterbuch des 16. Jahrhunderts heißt es:

„Dient wider alle Leiden der Brust, Enge des Atems, Keuchen und Husten. Man mag die Blätter sieden und die Brühe trinken oder das Pulver in süßem Weine einnehmen. Die grünen Blätter zerstoßen und übergelegt, lindern die Hitze und heilen den Rotlauf. Der Absud dient auch als Waschwasser für wunde, brennende Stellen der Haut.“

Schon Hippokrates (um 460 v. Chr.) empfahl die Anwendung einer Abkochung des Huflattichs zur Erweichung von eitrigen Geschwüren. Seine Schüler und Nachfolger verordneten die Wurzel bei auszehrenden Krankheiten und ließen ihre Patienten die getrockneten Huflattichblätter gegen Husten rauchen. Die Ärzte und Naturforscher Dioskurides und Plinius rühmen Gebrauch und Wirkung der Pflanze in Teeform bei Lungenkrankheiten.

Auch der bekannte Kräuterpfarrer Sebastian Kneipp empfiehlt den Huflattich nicht nur gegen Husten und Katarrhe, sondern die frischen Blätter auch zum Auflegen auf offene Geschwüre.

Als Droge werden die Huflattichblätter "Farfarae folium", die Huflattichblüten "Farfarae Flos" und die Huflattichwurzeln " Farfarae Radix" verwendet. Alle Pflanzenteile sind wirkstoffhaltig. Als Hauptwirkstoffe enthält die Pflanze stark wechselnde Mengen giftiger Pyrrolizidin- Alkaloide: Senkirkin, Senecionin und Tussilagin.

Bei der Verwendung des Huflattichs als "Hausmittel" bei einer Selbstmedikation sollte daran gedacht werden, dass eine zu lange und häufige Anwendung - wie bei fast allen Medikamenten - Nebenwirkungen haben kann. Neuere Untersuchungen belegen, dass dann eine Leberschädigung nicht ausgeschlossen ist. Auch eine karzinogene, krebserzeugende Wirkung ist bei Dauergebrauch möglich.

Der 10-15 cm hoch werdende Huflattich treibt im zeitigen Frühjahr, oft schon im Februar an aperen Stellen ein Büschel von schuppigen, grünlichen oder auch rötlichen Blütenstengeln auf denen jeweils nur ein goldgelbes Blütenkörbchen sitzt. Es misst etwa 2,5 cm im Durchmesser und hat außen gelbe Zungenblüten, innen gelbe Röhrenblüten. Die frischen Blüten duften schwach nach Honig. Erst später, nach den Blüten, erscheinen die großen herz-, bzw. hufförmigen, eckig gezahnten, unterseits weiß-filzigen Blätter dieses Korbblütengewächses (Asteraceae). Durch die vielen Ausläufer der Pflanze entsteht bald ein ausgedehnter "Blätterwald". Die Blätter haben einen schwachen Geruch und einen bitteren, etwas zusammenziehenden, schleimigen Geschmack. Der rübenförmige Wurzelstock des "Hufblattes" ist mehrköpfig.

Literatur:

Aichele, Schwegler, Blumen der Alpen, 1977; Bach, Kärntner Naturschutz-Handbuch, 1978; Beuchert, Symbolik- der Pflanzen, 1995; Engel, Die Giftküche der Natur, 1972; Fischer, Heilkräuter und Arzneipflanzen, 1947; Hartl, Turnowski, in: Die Natur Kärntens, 1976; Hartl et. al. Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens, 1992; Koch, Taschenbuch der heimischen Frühjahrsblumen, 1953; Mucina et al., Die Pflanzengesellschaften Österreichs, 1993; Köhlers Atlas der Medizinalpflanzen, 1887; Losch, Kräuterbuch, 1903; Pahlow, Das große Buch der Heilpflanzen, 1993; Passarge, Scholz, Pflanzensoziologische Untersuchungen und Bestandsaufnahmen der Vegetation in den Weichholz-Auen von St. Daniel bis Kirchbach, 1996, unveröff.; Pieper, Volksbotanik, 1897; Pritzel, Jessen, Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, 1882; Roth, Daunderer, Kormann, Pflanzengifte - Giftpflanzen, 1994

Verfasser:

Eitel-Friedrich Scholz,

St. Daniel 18

9635 Dellach

 

Foto: Sepp Lederer