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Sumpfdotterblume

Frühlingszauber im blühenden Auwald

Ein Pflanzenporträt von Eitel-Friedrich Scholz

Die Sumpfdotterblume
(Caltha palustris), "Goldwiesenblum" wie sie schon vor 400 Jahren hieß, wächst im Frühling an wasserführenden Gräben und an sumpfig-morastigen Stellen des Auwaldes. Schon von weitem leuchten uns die dottergelb glänzenden, großen Blüten entgegen. Zur Namengebung der Pflanze schrieb Hieronymus Bock 1539 in seinem Kräuterbuch:

„Von den Namen. Dies blüm hab ich Moßblümen hoizen Teutschen (im deutschen genannt) und Dotterblüme / umb der farb willen / wie auch gäl Wyßblüme (gelbe Wiesenblume) Mattenblümen / dieweil man sie am allermeysten auff den Moßechten (moosigen) feuchten Wysen findet. Ich halt dz (dass) diese gemeine blüm Caltha Vergilizsey / als er schreibt in Alexi“

„Von der Kraft und Würckung: Die Kinder haben ihre kurtzweil und Freude mit diesen schönen Goldblümen. Werden jetz under nit sonders in der Artzney gebraucht.“

Der botanische Name "Caltha", der oben schon bei Bock angeführt wird, "Caltha palustris" stammt vom griech. "Kalathos" = Korb und dem lat. Käpaluster" = zum Sumpfe gehörig.

Im Volksmund heißt die Pflanze auch "Kuhblume, Butterblume", weil der Genuss der Blüten den Kühen reichlich Milch geben , also die Milchsekretion fördern und der Butter - der Maibutter - ihre schöne gelbe Farbe verleihen soll. Die Volksnamen "Kuhblume", "Kuhpanz" und "Kälberblume" können jedoch auch auf den ersten Austrieb der Kühe auf die Weide im zeitigen Frühjahr bezogen sein, wenn dort die Sumpfdotterblumen blühen.

Eigenartig sind auch die in einigen Gegenden Deutschlands, vor allem in Schwaben, gebräuchlichen Volksnamen "Schmalzblume" - "die schmalzglänzende Farbe der Blüten verspricht eine fette, sahnige Milch" - und "Wasservogelblume". Sie sollen mit einem alten Brauch zusammenhängen:

"Zu Pfingsten hielten an einigen Orten Schwabens jeweils sieben junge Burschen ein Wettreiten ab. Der erste, der von ihnen ans Ziel kam, erhielt als Preis einen mit Bändern geschmückten Baum, der zweite einen Degen, der dritte einen Geldbeutel, der vierte einen Korb voller Eier, der fünfte einen Schmalztopf. Der sechste ging leer aus und musste den "Wasservogel" spielen, der siebente und letzte musste für die anderen Diener sein. Der "Wasservogel" wurde von den Zuschauern des Reitvergnügens mit Sumpf-Dotterblumen (der "Wasservogelblume"), mit Wiesenschaumkraut und Laub geschmückt und dann in einem vergnügten Umzug durchs Dorf bis an den Dorfweiher geführt und schließlich in das kalte Wasser geworfen. Zum Vergnügen der Dorfbewohner musste er darin eine Weile herumpaddeln. Nach dieser Prozedur ritten dann alle sieben Burschen gemeinsam zu den besitzenden Bauern und baten um Geschenke. Der Reiter mit dem Degen führte die galoppierende Schar an und rief:

„Macht Platz, macht Platz, mit Weib und Kind,

dass niemand um das Leben kimmt!

Als alle auf einem Hof anlangten, sprachen sie wechselweise:

„Wir wünschen dem Bauer aine glückselige Stund!

Aine glückselige Stund is noch net g’nug,

da gehört ain Hafn mit Schmalz dazu!

Ain Hafn mit Schmalz is noch net g’nug,

es G’hört ain Korb mit Eiern dazu!

Ain Korb mit Eiern is noch net g’nug,

da g’hört ain Beutel mit Geld dazu!

Ain Beutel mit Geld is noch net g’nug,

ain Fässel mit Braunbier g’hört dazu!“

Hatten die Burschen genug eingesammelt, ging es mit den Mädchen des Dorfes zu Schmaus und Tanz.

Auch aus Ostpreußen ist ein ähnlicher Brauch überliefert. Oft fand er auch Anwendung, um an einem mißliebigen Burschen das Mütchen zu kühlen. Trotz allen Sträubens wurde der Betroffene, der sogenannte "Pfingstlümmel" oder "Pfingstkamm", am Pfingstmorgen mit Pfingstmaien (Birkengrün, und Dotterblumen) umwunden und ins Wasser geworfen.

Die ostpreußischen Hirten bekränzten am Pfingstsonntag die besten Tiere der Herde mit Kuhblumen und Frühlingspflanzen. Ein solchermaßen bekränztes und geschmücktes Tier hieß "Pfingstkuh oder Pfingstochse" - eine Bezeichnung, die später für einen stark herausgeputzten Menschen weitverbreitet üblich wurde.

Der "Wasservogel" wurde in anderen Gebieten auch durch eine mit Schmalzblumen und Wiesenschaumkraut geschmückte Puppe ersetzt, die von Haus zu Haus geführt wurde, um Geschenke zu erbitten. Diese Puppe fiel dann dem Sieger bei einem Wettritt als Preis zu. Außerdem durfte er sich abends beim Tanze seine "Pfingstbraut" wählen. Ihr Haus wurde dann mit der Puppe, die dort das ganze Jahr über verblieb, geschmückt. Ein ähnlicher Brauch ist auch aus dem Hannoverschen bekannt. Ein mit einem Degen umgürteter, ebenfalls mit Kuhblumen und Wiesenschaumkraut geschmückter Bursche zog mit der Dorfjugend singend und tanzend durch das Dorf. Die Bauern überreichten als Lohn kleine Geschenke. Die kurz beschriebenen Bräuche versinnbildlichen das Verschwinden des Winters und feiern den anbrechenden Frühling. Sie erinnern auch an die heidnischen Gebräuche zu Ehren der Frühlingsgöttin Ostara (Ostern !).

Die Knospen der Sumpfdotterblume, in gewürztem Essig eingelegt, wurden einst in der Küche als Kapern-Ersatz verwendet.

Literatur:
Aichele, Schwegler, Blumen der Alpen, 1977; Bach, Kärntner Naturschutz-Handbuch, 1978; Beuchert, Symbolik- der Pflanzen, 1995; Engel, Die Giftküche der Natur, 1972; Fischer, Heilkräuter und Arzneipflanzen, 1947; Hartl, Turnowski, in: Die Natur Kärntens, 1976; Hartl et. al. Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens, 1992; Koch, Taschenbuch der heimischen Frühjahrsblumen, 1953; Mucina et al., Die Pflanzengesellschaften Österreichs, 1993; Köhlers Atlas der Medizinalpflanzen, 1887; Losch, Kräuterbuch, 1903; Pahlow, Das große Buch der Heilpflanzen, 1993; Passarge, Scholz, Pflanzensoziologische Untersuchungen und Bestandsaufnahmen der Vegetation in den Weichholz-Auen von St. Daniel bis Kirchbach, 1996, unveröff.; Pieper, Volksbotanik, 1897; Pritzel, Jessen, Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, 1882; Roth, Daunderer, Kormann, Pflanzengifte - Giftpflanzen, 1994

Verfasser:
Eitel-Friedrich Scholz,
St. Daniel 18
9635 Dellach

 

Foto: Sepp Lederer